Das maurische Spanien: 800 Jahre islamische Hochkultur in Al Andalus


 
800 Jahre islamische Kultur auf europäischem Boden
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(TOP 1000 REZENSENT)    Rezension bezieht sich auf: Das maurische Spanien: 800 Jahre islamische Hochkultur in Al Andalus (Gebundene Ausgabe) Heinrich Heine hat es bedichtet, Rainer Maria Rilke und Irving Washington haben es aufgesucht und nicht zuletzt Hemingway hat es berühmt gemacht: das maurische Spanien. In einem 300-seitigen Buch hat der Franzose André Clot seine Geschichte beschrieben. Es ist eine Geschichte von blutiger Eroberung, Kampf und Krieg, Intrigen, Verfolgung und Ausmerzung, aber auch eine des Glanzes, der Kunst und der Bildung. Über 800 Jahre haben die islamischen Mauren auf diesem Südzipfel des europäischen Kontinents geherrscht und mit dieser Schnittstelle zwischen Orient und Okzident auch den Weg des restlichen Europas mitbestimmt. So wurde beispielsweise das restliche Europa im 12. Jahrhundert der Schriften des Aristoteles nur über den Umweg der Übersetzungen aus dem arabischen gewahr, wodurch die beginnende Universitätskultur mächtig aufgewirbelt wurde. Aber diese Form des Kulturhandels blieb letztlich doch nur ein Nebenprodukt in einer Auseinandersetzung, in der es vornehmlich um geographische Besitzansprüche ging.
Satt und üppig erzählt Clot von den Eroberungen im südlichen Spanien: Von Tarik, dem Berber, der 711 von Marokko in Spanien einfiel und die Westgoten vernichtend schlug - auch weil die Juden im Lande sich auf die Seite der Berber schlugen. Mit dem syrischen Königssohnflüchtling Abd al Rahman beginnt ein neues Kapitel in der Geschichte Al Andalus. Es folgen Clan- und Stammesfehden ziwschen den Berbern und Syrern. Im 9. Jahrhundert fielen die Wikinger gnadenlos über das Land her. Hakam und Hakam II begründen im 10. Jahrhundert eine gewaltige Bibliothek, die in Europa ihresgleichen sucht. Bücher werden aus allen Teilen der Welt angeschafft, gesammelt, abgeschrieben und übersetzt. Der Emporkömmling al Mansur holt im 10. Jahrhundert erneut die Berber ins Land, was den Untergang einleitet. Diese Almoraviden sind ein Muster strenger Frömmigkeit, mit der sie die andalusische Bevölkerung unterdrücken. Im 11. Jahrhundert bekämpfen die marokkanischen Almohaden die Almoraviden. Zu diesem Zeitpunkt weist die andalusische Bevölkerung die kurioseste Durchmischung auf. Die Mehrheit bilden die Berber, die tonangebende Schicht stellen jedoch die Araber aus Syrien und Ägypten dar. Hinzu kommen versklavte Germanen aus dem europäische Norden sowie Sklaven aus Schwarzafrika. Einen großen Bestandteil der Bevölkerung machen die Juden aus. Es gibt des Weiteren die große Anzahl der Konvertiten, die beim Einfall der Araber zum moslemischen Glauben übertraten sowie die christlichen Mozaraber, die zwar Christen blieben, aber ansonsten Sprache und Kultur der Herrscher aufnahmen. Es wurde sogar nötig, die Bibel ins Arabische zu übertragen, weil sie sonst niemand mehr verstand.
Das für das westliche Denken herausragenden Ereignis war freilich die Übersetzung des Aristoteles ins Lateinische durch Gerhard von Cremona im 12. Jahrhundert. Langsam kam über die Jahrhunderte dann die Reconquista in Gang und 1492 hat das arabische Europa ein Ende - freilich auch hier mit großen Verlusten und unabsehbaren Folgen wie zum Beispiel die restlose Vertreibung der Juden aus Spanien.
Cot präsentiert eine packende und lebhafte Geschichte, die uns allerdings so fremd ist, dass sie schwerlich bei einmaliger Lektüre voll verständlich wird.

Thomas Reuter
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 26. März 2009
Kundenrezensionen:
3. Preisgünstige Einführung - mit gewissen Defiziten ...
2. Ein Buch, ein Thema, ein Volltreffer.
1. 800 Jahre islamische Kultur auf europäischem Boden (die aktuell angezeigte Rezension)
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