Damals in Ostpreußen: Der Untergang einer deutschen Provinz


 
Heimwehliteratur der anderen Art
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(TOP 500 REZENSENT)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Damals in Ostpreußen: Der Untergang einer deutschen Provinz (Gebundene Ausgabe) Der Titel des Buches erinnert an die Heimweh-Literatur für Vertriebene, in der die Schönheit der verlorenen Heimat beschworen wurde, und auch im Buch finden sich Anklänge daran: wenn sämtliche Strophen von "Ännchen von Tharau" abgedruckt werden oder Erinnerungen an die Räucherfische im Seebad Cranz, oder wenn eine Bildunterschrift lautet: "In Masuren waren die Böden karg, die Güter kleiner und die Arbeit auf dem Feld hart. Wie die Donders aus Sdeden gingen im Sommer alle aufs Feld, und jeder, der konnte, faßte mit an." Aber Kosserts Horizont reicht weiter als die übliche Vertriebenenliteratur: die Erinnerung an die Räucherfische in Cranz stammt von einem Ostpreußen jüdischer Abstammung, der im Dritten Reich emigrieren mußte, und die Bildunterschrift illustriert keine ländliche Idylle, sondern die sozialen Verhältnisse in der Provinz. Kossert schreibt eine kurzgefaßte Geschichte Ostpreußens mit Schwerpunkt auf dem 20. Jahrhundert, um uns dieses untergegangene Land und seine Bedeutung nahezubringen. (Besonders interessant auch seine Darstellung der Nachkriegsgeschichte, die in den zu Polen, Rußland bzw. Litauen gekommenen Teilen sehr unterschiedlich verlief.) Er will Faktenwissen vermitteln, aber zugleich auch einen emotionalen Zugang eröffnen. Deshalb zitiert er ausgiebig biographisches Material und auch belletristische Texte, etwa von Arno Surminski. Es gelingt ihm, zu vermitteln, warum man sich mit Ostpreußen beschäftigen sollte, auch wenn man nicht von dort stammt, aber auch, daß es noch anderes darüber zu sagen gibt als das, was die typische Erinnerungsliteratur in den Vordergrund gestellt hat. Das Buch endet dementsprechend mit dem Appell, das historische Ostpreußen als Teil unserer Geschichte und Kultur in Erinnerung zu behalten, und auch nicht zu vergessen, was der Verlust der Heimat für immerhin ein Fünftel der deutschen Bevölkerung für innere und äußere Auswirkungen hatte. Zwei Themen, die in der Tat mehr Aufmerksamkeit verdient hätten.
Was man im Buch vermißt, sind Landkarten sowie ein Sachregister. Mir persönlich haben auch Angaben zur - nicht unwichtigen - Geschichte der Bekennenden Kirche in Ostpreußen gefehlt (auf die der katholischen Kirche in der NS-Zeit geht er ein); mangels Sachregister konnte ich nicht nachprüfen, ob ich da etwas überlesen habe.
Auch wegen der verwendeten "alten" Rechtschreibung sei das Buch zur Lektüre empfohlen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 3. Juni 2009
Kundenrezensionen:
3. Eine bemerkenswerte, sensible und dennoch kritische Form der Geschichtsschreibung, die zum Gespräch ermutigt
2. Heimwehliteratur der anderen Art (die aktuell angezeigte Rezension)
1. Ein wichtiges und ideologiefreies Buch
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